Skateboarding

KINDER IN KOFFERRÄUMEN

A Skateboarding video by MOBSkateboards - 732 views

iframe


URL


Mob x Radio Skateboards in Potsdam feat. Danny Sommerfeld, Iwan Martaller, Laif Draasch, Kerem Elver, Alex Denkiewicz, Alex Ullmann and the RADIO ACTIVE KIDS. Edited by Dan Schulz

„Scheiß drauf“, sagte Johnny und zündete sich eine Kippe an. Er nahm einen tiefen Zug bevor er den Glimmstengel hinten in seinen Fahrradsattel klemmte. Er hatte kein Licht dabei und es war mittlerweile dunkel geworden. In Berlin. Trotzdem war es immer noch verdammt heiß. Die Stechfliegen machten ihm zu schaffen – und da war noch etwas anderes mit dem er nicht zurecht kam: es gab kein Gras mehr auf dem Kiez. Und seine Freundin hatte ihn nicht zurückgerufen. „Scheiß drauf“, sagte er noch mal als er sein Fahrrad anschob und sich mit einem schwerfälligen Schwung in den Sattel hob. Er rückte das Skateboard zurecht, dass er sich mit Hilfe eines Schnürsenkels umgehängt hatte und trat in die Pedale. Er würde jetzt nach Potsdam fahren. Mit dem Fahrrad. Mitten in der Nacht. Keine Ahnung wie weit. Nur raus aus der Stadt. Irgendwie musste er sich bewegen. Ausserdem war er noch nie bis nach Potsdam gekommen. Er kam sowieso nicht viel raus. Aus sich selbst. Dem Trubel. Dem Gemenge. Dem Berlin. Der Gedanke an das Rauskommen ließ in kräftiger in die Pedale treten. Grob Richtung Potsdam. Mitten durch die heiße Luft. Doch kaum hatte der Fahrtwind ihm etwas Abkühlung verschafft umklammerte ihn schon wieder diese Stadt mit ihrer verdammten Hitze. Großstadtsommer. Du blöde Fotze.

„Scheiß drauf“, dachte Johnny und schaute nach, ob sein Rücklicht noch brannte. Kein Bock auf die Bullen. Kein Bock auf Stress. Kein Bock auf gar nichts. Er zündete sich eine Kippe an und fuhr eine Weile freihändig durch die Nacht. Als er an der nächsten Kreuzung in Richtung Potsdam abbog bemerkte er aus dem Augenwinkel flüchtig ein ziemlich schräg auf der Boardsteinkante geparktes Auto dessen Kofferraum offen stand. Im Zwielicht der Strassenlaternen und Leuchtreklamen erkannte er ausserdem einen dunkelgekleideten Mann mittleren Alters, der mit einer Hand an der offenen Heckklappe hinter dem Wagen stand und in das Kofferrauminnere starrte. Sein Blick schien. Leer. Im Kofferraum meinte Johnny zwei Kinder erkennen zu können. Jungs. Blond. Klein. In dem Moment in dem das Auto endgültig aus seinem Blickwinkel verschwand sah er, dass der Mann den Kofferraumdeckel mit einem Ruck zuschlug. Die Kinder im Kofferraum. Einfach so. What the fuck. Urplötzlich breitete sich über seinem ganzen Körper eine Gänsehaut aus. Was war das denn jetzt? Johnny zog sein Telefon aus der Hosentasche. Es war bereits nach Mitternacht. Die Jungs waren doch höchstens 8 oder 9 Jahre alt. Viel zu jung um so spät noch unter der Woche und ausserhalb der Ferien draussen im Kofferraum zu spielen. Johnny versuchte sich an die Gesichter der Kinder zu erinnern. Sahen sie fröhlich aus? Hatten sie Angst in den Augen? Oder war es doch nur Spaß? Vielleicht wollte dieser Mann sich und die Kinder aber auch endgültig entsorgen. Sie kaltblütig vor die Stadt fahren und irgendwo zwischen Berlin und Potsdam im Wald verscharren bevor er sich selbst das Leben nahm? Knietief im Dispo. Johnny versuchte sich das Gesicht des Mannes in Erinnerung zu rufen. Es hatte doch so ausgesehen als hätte er geweint? Oder war er nur geschwitzt? Hatte er sich nicht verstohlen umgeschaut bevor er den Kofferraumdeckel zuschlug? Stand da nicht doch die Gestalt einer Mutter im Hauseingang neben dem Auto? Vielleicht hatte er sich nur von ihr verabschiedet? Für immer. Vielleicht. Um einen Kasten Wasser zu holen. War er vielleicht gerade einfach so an einer Familientragödie vorbeigeradelt? Sollte er den Bullen Bescheid geben? Er hatte sich aber weder Kennzeichen noch Auto-Typ gemerkt. Würde er sich zum Vollhorst machen wenn er der Sache nachging. Vollhorst. Verdammt. 

„Scheiß drauf“, dachte er schließlich. Potsdam war ihm wieder in den Sinn gekommen. Und seine eigenen Tragödien. Seine eigenen Monster unter dem Bett. Die eigenen Kinder im Kofferraum. Der ganze Ballast den er sich gerade von der Seele treten wollte. Er dachte an Alles. Was er ohne Veränderung gerne anders hätte. Was er sehen wollte ohne Hinzuschauen. Was noch zu retten war ohne Hilfe zu leisten. Kinderaugen. Vielleicht war er der letzte Mensch gewesen den sie je zu Gesicht bekamen – ausser ihrem eigenen Vater der irgendwo am Wannsee im Wald zwei Gräber für sie ausheben würde. Was wenn? Was wenn nicht? Was wenn doch? Verdammt. Was wenn? Was für eine Scheiße. Das Leben ist ein Arschloch.

MEHR AUF WWW:MOB-SKATEBOARDS.COM


Read More
Read Less

More
skateboarding videos

View all Skateboarding Videos
More Radness is Imminent...

Mpora © 2014 Factory Media Ltd.